CAR Symposium 2015 in Bochum: Automotive Branche diskutierte über aktuelle Trends

Nach der Schließung des Opel-Werks hatte Bochum sicherlich schon bessere Zeiten erlebt. Dennoch konnten Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz und Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor „Center Automotive Research“ Anfang Februar 2015 einmal mehr das Who-is-Who der Automotive-Branche in der Ruhrgebietsstadt begrüßen: bereits zum 15. Mal traf sich die Branche beim „CAR Symposium“.

Car Symposium 2015

Ottilie Scholz ließ es sich bei ihrer Begrüßung nicht nehmen, das Thema Opel anzusprechen. Strukturwandel sei keine einmalige Angelegenheit, sondern ziehe sich auch durch die Stadtgeschichte Bochums hindurch. Wenn man so will ist Bochum besonders erfahren darin, strukturellen Veränderungen zu begegnen. Nach den Wegbrechen alter Industriezweige wie der Montan- oder Stahlindustrie und nachdem sich Nokia und der Blackberry-Hersteller RIM wenig ruhmreich aus Bochum verabschiedeten, wird auch der Schließung des Bochumer Opel-Werks pragmatisch, um nicht zu sagen „kämpferisch“ begegnet.

„Opel hinterlässt eine riesige Fläche inmitten eines strategisch hoch interessanten Wirtschaftsgebietes. Wir sind gerade dabei, Perspektiven für die Nutzung dieses Geländes zu entwickeln“, so Scholz. Dazu gehöre etwa die Ansiedlung des Logistik-Dienstleisters DHL, aber auch die enge Zusammenarbeit mit den zahlreichen Hochschulen in NRW. Ziel sei es, das Know-How der Absolventen zu nutzen und vor allem Neugründungen zu unterstützen. Auch für den Gesundheitssektor könnten Teilflächen des „Opel-Geländes“ interessant sein. Scholz: „Bereits jetzt haben wir 24.000 Arbeitsplätze im Gesundheitssektor in Bochum – mehr als Opel je in Bochum hatte. Die Gesundheitsbranche ist eine Alternative, auf die wir sehr stark setzen.“

Die erste Keynote vor 1.100 Gästen im Bochumer Congress hielt Mark Fields, President und Vorstandsvorsitzender der Ford Motor Company. Fields sprach über die derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen des Automobilmarktes, vier Mega-Trends würden den Automobilmarkt momentan und in Zukunft entscheidend prägen;

  • Zunehmende Urbanisation mit zukünftig 41 Megacities (>10 Mio. Einwohner) weltweit
  • Globales Wachstum der Mittelklasse von 2 Mrd. auf 4 Mrd. Menschen
  • Luftverschmutzung als ernstes Problem
  • Sich grundlegend verändernde Kundeneinstellungen

Mark Fields Car Symposium 2015Fields: „Wir erleben jetzt eine einzigartige Zeit des Wandels in der Geschichte der Automobilindustrie. Die Innovationen können begeistern und werden die Welt verändern.“

Im harten globalen Wettbewerb würden allein die Unternehmen erfolgreich sein, die alte Strukturen aufbrechen und neue Sichtweisen entwickeln. Die zentrale Frage: „Wie erfüllen wir die Bedarfe des Marktes, wie können wir weiterhin interessant bleiben?“

Ford beantwortet die Frage für sich mit einer klaren Strategie, die vor allem die Felder Connectivity, Customer Experience und Autonomes Fahren umfasst – „We have to get the Ford Smart Mobility to the next level!“

Das bereits jetzt extrem erfolgreiche Ford SYNC-Programm mit 10 Mio. entsprechend ausgestatteten Fords weltweit solle ausgebaut werden. Zudem werde Ford laut Mark Fields weiterhin in Fahrerassistenzsysteme und in autonom fahrende Autos investieren. Die Vision des Amerikaners: gemäß der Ägide „Innovations should be achievable“ das erste autonom fahrende Auto für jedermann auf den Markt zu bringen.

Bis dahin dürften noch einige Jahre vergehen. Wenn es nach Dr. Volkmar Denner geht, mindestens fünf Jahre. Der Vorsitzende der Geschäftsführung bei Automobilzulieferer Robert Bosch erwartet, dass sich „Autonomes Fahren“ in Schritten entwickeln wird. Denner rechnet damit, dass Teilfunktionen des autonomen Fahrens nach und nach in Serie gehen werden. Allerdings nur dann, wenn die Politik mitspielt. Jacques Aschenbroich, CEO des französischen Automobilzulieferers Valeo pflichtet bei: „Das autonome Fahren wird sich nur dann durchsetzen, wenn es der Gesetzgeber schafft, die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen“.

Volkmar Denner Car Symposium 2015Volkmar Denner betont zudem, dass autonomes Fahren schon heute möglich ist. Zumindest dann, wenn die Geschwindigkeiten nicht allzu hoch ist und die Umgebung bekannt ist. Beide Faktoren träfen sowohl auf Parkvorgänge als auch auf Autobahnfahrten zu – Situationen, „die prädestiniert für teilautonomes Fahren sind“.

Wichtiger Bestandteil zukünftiger Mobilität sei auch weiterhin die Elektromobilität. Laut Denner ist die Mobilität der Zukunft „vernetzt, autonom – und elektrifiziert“. Er sei zuversichtlich, dass sich die E-Mobilität durchsetzen werde: „Ich gehe davon aus, dass in 10 Jahren 15% aller Neufahrzeuge mit einem Elektromotor ausgestattet sein werden“.

„CAR“-Direktor Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer sieht das Thema mittlerweile nicht mehr ganz so positiv. „Mir fehlt die Hoffnung. Wenn man sich anschaut, wie viele Hybridautos die deutschen Hersteller verkauft haben, dann wird man blass im Gesicht. Das bedaure ich, denn Elektromobilität kann die Welt besser machen“. Den Automobilherstellern will Dudenhöffer indes keinen Vorwurf machen, „die haben alles gemacht. Wenn allerdings die Politik nicht die Rahmenbedingungen schafft, dann geht der E-Mobilität die Luft aus.“

Kurz darauf hatte Dudenhöffer Gelegenheit, Armin Laschet, Stellv. Vorsitzender CDU, dazu zu befragen. Für Laschet betrifft diese Frage gleich drei verschiedene Ebenen: „die Automobilindustrie, die Politik und letztendlich natürlich auch die Autokäufer“. Am Ende müsste die gesamte Gesellschaft mitziehen, um der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Das von der Bundesregierung formulierte Ziel von 1 Mio. Elektroautos bis 2020 sei „vielleicht ambitiös gewesen“. Um E-Mobilität in Deutschland zu fördern, sollte darüber nachgedacht werden, die Mineralölsteuer wieder verstärkt für Investitionen in die Mobilität zu nutzen, schließlich werde die „Mineralölsteuer momentan zu großen Teilen zweckentfremdet“.

Abgesehen von einer Unterstützung durch die Politik erwartet Volkmar Denner, dass Connectivity dem E-Auto zum Durchbruch verhelfen wird. Noch wichtiger allerdings sei die Batterietechnik: momentan sei die Lithium-Ionen-Technologie noch nicht soweit. „Bis 2020 werden sich die Energiedichte von Lithium-Ionen-Batterien verdoppeln und sich die Kosten halbieren.“ Erst dann sei ein Marktdurchbruch zu erwarten.

Ralph Speth Car Symposium 2015Bis dahin dürfte der Verbrennungsmotor und insbesondere der Dieselmotor weiterhin die wichtigste Rolle spielen. Wie Robert Bosch investiert auch Jaguar Land Rover in den Diesel-Motor. Die Briten befinden sich aktuell mitten in der Markteinführung eines Diesel-Hybridmotors für ihre Autos, wie Jaguar Land Rover-CEO Ralf Speth in seiner Keynote erklärte.

Anders als die großen Premium-Hersteller muss das Tochterunternehmen von Tata Motors Investitionen aber noch genauer priorisieren. Ein „Gießkannenprinzip“ wie bei anderen OEM käme für Jaguar Land Rover nicht in Frage. Vielmehr müsse geschaut werden, was die Kunden wünschen. Speth: „Will der Premiumkunde der Zukunft wirklich gläsern werden? Will er selbst fahren oder will er gefahren werden?“

Zudem gewährte der CEO exklusive Einblicke, wie das Unternehmen aus den roten Zahlen („Teilweise wusste ich am Ende eines Monats nicht mehr, wie ich die Gehälter meiner Mitarbeiter zahlen sollte“) geholt wurde. In einem regelrechten Kraftakt wurde nach der Übernahme durch Tata Motors auf der einen Seite ein Restrukturierungsprogramm umgesetzt, auf der anderen Seite wurden parallel die Voraussetzungen für nachhaltige Profitabilität und eine Modelloffensive geschaffen.

Innerhalb von fünf Jahren konnte Jaguar Land Rover seinen Umsatz verdreifachen und die Anzahl der Mitarbeiter verdoppeln. Heute sind die Marken des Unternehmens in 180 Ländern vertreten.

Abgerundet wurde das CAR Symposium 2015 wieder von Info-/Workshops und einer großen Ausstellung.

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