Der neue Opel Cascada im Fahrbericht

Opel Cascada Hafen

Schicke Optik, riesige 19-Zöller

Für die offizielle Pressepräsentation seines neuen Cascada hatte Opel ganz selbstbewusst das Fürstentum Monaco als Veranstaltungsort gewählt. Eine Marke wie Opel und der exklusive Kleinststaat an der Cote d’Azur? Gewagt? – Nein, nicht wirklich. Denn der Cascada fügt sich mit seinem frischen, eleganten Design und seinen ausladenden Abmessungen einwandfrei ins mondäne Getümmel des Fürstentums.

Am Flughafen empfängt uns der neue Opel Cascada in goldenes Licht getaucht. Breit steht er auf der Straße, seine Silhouette wirkt angenehm gestreckt. Dazu passend: das edle Stoffverdeck, dessen wir ihn in nur 17 Sekunden entledigen. Da sind wenige Cabrios schneller, öffnen aber auch nur bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h. Der Cascada entblättert sich hingegen bis zu einer Geschwindigkeit von immerhin 50 km/h.

Im freitäglichen Feierabendverkehr rollen wir durch Nizza und durch Monaco. Das 4,70 Meter lange und mit einer entsprechend gestreckten Silhouette, sowie kräftigen, dennoch dezenten seitlichen Sicken bedachte Opel-Cabrio zieht immer wieder die Blicke auf sich. Die Damen lächeln überrascht („bedeutet der Blitz da auf der Motorhaube, dass das tatsächlich ein Opel ist?“), die Herren nicken wissend. Doch für derlei Zwischenmenschliches haben wir jetzt keine Zeit. Uns zieht es ins Gebirge. Sollen die winkligen Straßen der Meeralpen mal zeigen, was der Cascada fahrdynamisch drauf hat.

Opel Cascada Ferrari 456

Der Ferrari 456 zieht optisch eindeutig den Kürzeren

Blinker links. Hinter uns verabschiedet sich der Trubel der Küstenmetropole. Freie Fahrt. Wir schalten runter und drücken auf die Tube. So richtig spritzig dreht der neue 170 PS starke 1,6-Liter SIDI Turbobenziner aber nicht, obwohl sein maximales Drehmoment von 280 Newtonmeter im „Overboost-Modus“ bereits ab rund 2.000 Touren anstehen soll. Um flott bewegt zu werden, braucht das Opel-Cabrio also Drehzahl. Später beim Abendessen verrät Gerald Demel, seines Zeichens Motor-Manager mit der etwas sperrigen offiziellen Bezeichnung „Global Program Manager 1.6 Turbo Midsize Gasoline Engine“, dass die Basis des Motors natürlich für noch mehr Dynamik ausgelegt sei. Ziel sei es jedoch gewesen, dem Cascada einen Motor zu spendieren, der seinem Wesen entspricht. Und natürlich will der Opel Cascada kein Sport-Cabrio sein, sondern vielmehr eleganter Cruiser. Und tatsächlich: entspannt gefahren, spielt der Motor seine Stärken aus. Er arbeitet kultiviert, leise, unaufdringlich. Auffällig übrigens, wie diskret die Start-Stopp-Automatik arbeitet. Im Stillstand bemerkt man fast nicht, wenn sich der Motor eine kleine, spritsparende Auszeit gönnt. Beim erneuten Tritt auf die Kupplung erwacht der Motor in Sekundenbruchteilen wieder zum Leben. Aber auch das macht er sehr dezent: viele andere Motoren kündigen den bereiten Betriebszustand mit einem kurzen Rucken an. Der Cascada macht das dank eines kleinen, elektronischen Helferseins, das die Vibrationen beim Anlassen dämmen soll, sehr unaufgeregt und kaum merklich.

Opel Cascada Cockpit

Edles Cockpit im Opel Cascada

Das Fahrwerk gibt sich auch in den engen Kurven und Serpentinen der Bergpassage keine Blöße, das Einlenkverhalten ist erfreulich direkt. Die ursprünglich für den Insignia OPC entwickelte Vorderachskonstruktion mit dem klingenden Namen „HiPerStrut“ entkoppelt die Dämpfungs- von den Lenkfunktionen. Im Ergebnis entfällt das bei kräftigen Fronttrieblern gefürchtete Antriebszerren nahezu vollständig. Opel-Entwickler Martin Westenberger bekräftigt im Opel-Blog:

„Da Cabrio-Kunden extra Fahrkomfort zum „Cruisen“ erwarten, verfolgten wir eine etwas andere Abstimmungsphilosophie als etwa beim GTC. So haben wir hier die prinzipiellen Komfort-Vorteile der HiPerStrut herausgestellt – Antriebszerren am Kurvenausgang und von der Fahrbahn angeregte Lenkraddrehstöße tendieren gegen Null.“

Opel Cascada Button Madness

Button-Madness in der Mittelkonsole

In Gipfelnähe wird es dann merklich kälter, erste Regentropfen versammeln sich auf der Windschutzscheibe. Zeit, das Verdeck wieder zu schließen – und endlich etwas Zeit, sich dem Interieur zu widmen. Ersteindruck: für einen Opel bietet der Cascada eine kaum gekannte, edle Anmutung. Besonders elegant wirkt das Armaturenbrett, dem diese schnöde Bezeichnung gar nicht gerecht wird. Mit seinen geschwungenen Linien und den schicken Ziernähten wirkt die, sagen wir, „Armaturentafel“ sehr hochwertig und sportlich-elegant. Auch die Sitze heben den Opel Cascada von anderen Cabrio-Vertretern der Kompaktklasse ab und unterstreichen die Premiumanmutung des Cockpits. Die „Brandy“-farbenen Sitze in feinem Nappaleder sind außerdem hitzereflektierend und bieten auf Wunsch eine Belüftungsfunktion. Einzig die unglaubliche Anzahl von rund 50 Knöpfen in der Mittelkonsole ist weder edel, noch besonders benutzerfreundlich. Das hätte man besser lösen können.

Opel Cascada Rückspiegel Schiess-Scharte

Geschlossen: Schießscharten-Sicht im Rückspiegel

Wo wir gerade beim Meckern sind: die Heckscheibe wird vor allem durch den Rückspiegel gesehen zu nicht mehr als einem kleinen Schlitz. Das ist keine Heckscheibe, das ist eine Schießscharte! Aber klar, irgendwie muss die wunderbar gestreckte Silhouette des Opel Cascada ja erkauft werden. Und mal unter uns Gebetsschwestern: eine besonders dufte Rundumsicht besitzen Cabrios im geschlossenen Zustand generell selten. Also geschenkt und zurück zu den guten Nachrichten!

Bei flottem Tempo wertschätzt der Kenner neben der hohen Verwindungssteifigkeit des Cabrios die spezielle Verdeck-Konstruktion. Das Premium-Verdeck bietet aufgrund des speziellen Polyester-Vlieses zwischen äußerer Dämmschicht und Innenraumverkleidung eine gute Akustik- und Wärmedämmung. Um das Gewicht der Konstruktion zu drücken, wurden Magnesiumkomponenten in die Dachstruktur eingearbeitet. Zum Marktstart sind drei Dachfarben (Schwarz, Malbec und Mokka) verfügbar. Sie können mit zehn Außenfarben kombiniert werden.

Opel Cascada Geschlossen

Hübsche Silhouette auch in geschlossenem Zustand

Am nächsten Tag parken wir den auch geschlossen außerordentlich stimmig aussehenden Opel Cascada am Flughafen. Wir stellen uns die abschließende Frage, in welche Schublade wir ihn denn jetzt stecken sollen. Für ein Cabrio der Kompaktklasse ist er einfach zu groß – und setzt sich auch designtechnisch etwas ab. Ambitionierte Opel-Vertreter nennen den Cascada gar frech in einem Satz mit BMW 3er/4er Cabrio und Audi A5 Cabrio. Das mag manchem Autofreund gewagt vorkommen. Ist es aber nur bedingt. Klar: preislich sind die beiden Premiumvertreter noch etwas entfernt. Vom Raumangebot aber, sowie technisch und von der Anmutung her macht der Cascada eine nahezu ebenbürtig gute Figur.

Eines ist uns am Wochenende klar geworden: der Opel Cascada versinnbildlicht Opels neues Selbstverständnis: erfrischend selbstbewusst. Und genau dieses Selbstbewusstsein ist es, das der Marke und ihren Produkten zuletzt viel zu oft gefehlt hat – und das die Rüsselsheimer mit Adam und Cascada endlich wieder für sich entdeckt haben.

Opel Cascada Fahrbericht

Opel Cascada Fahrbericht

Opel Cascada Fahrbericht

Opel Cascada Fahrbericht

Opel Cascada Fahrberichtc

Opel Cascada Fahrbericht

Opel Cascada Fahrbericht

Trackbacks

  1. […] lese ich Fahrberichte die mich mit ins Auto ziehen und mir einen Rundumblick gewähren, das hat Moritz Nolte in seinem Fahrbericht ermöglich, man hat fast das Gefühl dabei zu sein wenn er bildhaft die […]

  2. […] den Opel Cascada haben ja wahrlich schon einige geschrieben, hier eine kleine Auswahl: Moritz, Mario und Mikhail (die drei M´s) waren bei der Fahrveranstaltung vor Ort. Die beiden J´s hatten […]

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