Mehr Luxus in der Kompaktklasse: So fährt sich der neue Opel Astra

Der Speck ist weg! Opel hat sich die Kritik am Vorgänger zu Herzen genommen und dem neuen Astra eine Schlankheitskur verpasst. Nicht nur das Fahrzeuggewicht ging runter, auch das Außendesign wirkt deutlich schlanker. Dazu verspricht Opel jede Menge Highlights aus der Oberklasse. Ob der neue eine gute Figur auf der Straße abgibt und womit er die Kunden in der Kompaktklasse überzeugen möchte, zeigt unser Fahrbericht mit dem 1.4-Turbobenziner und 150 PS.

Astra_02_Vorschau

Opel hatte es in den letzten Jahren nicht leicht. Haftet einmal schlechtes Image an den Fersen, lässt sich nur schwer ablegen. Opels einstiger Bestseller, der jahrelang auf Platz zwei einen festen Platz in der deutschen Zulassungsstatistik einnahm, geriet ins Hintertreffen. Wo die starke Konkurrenz Kunden mit modernen und besonders effizienten Turbomotoren überzeugte, quälten sich Opel-Modelle mit nicht mehr zeitgemäßen Aggregaten. Der bis 2015 gebaute Astra J basierte auf der schweren Delta-II-Plattform, die General Motors auch für andere Modelle im amerikanischen Markt nutzte und andere Vorgaben erfüllen musste. Doch die alten Zeiten sind längst vergessen! Neue und frische Modelle wie Adam und Corsa tragen zu einer guten Außenwirkung der Marke bei und kommen vor allem bei der jüngeren Zielgruppe gut an. Mit einreihen darf sich nun zu Recht der neue Astra, der von nun an die Schauräume der Händler bereichern wird. Aus Fehlern lernt man und so will der neue vieles besser als sein Vorgänger. Hat der Astra K das Zeug zum Golf-Schläger? Wir haben uns kompakten Rüsselsheimer genauer angesehen und sind mit dem 150 PS starken Benziner in den kleinen Kapaten im Umland von Bratislava unterwegs gewesen.
Astra_04_Seite

Typische Charakterzüge zeichnen das äußere Erscheinungsbild des Fünftürers aus und man erkennt sofort: das hier ist ein Astra! Doch es gibt auch eine Neuerung im hinteren Bereich, die sofort ins Auge fällt und bei der die Designer eine Menge Mut bewiesen. Um dem Astra optisch mehr Leichtigkeit zu verleihen, ist ein Teil der C-Säule farblich abgesetzt worden – ähnlich wie wir es bereits vom Opel Adam her kennen. Die Umsetzung beim Astra ist jedoch Geschmacksache. Zwar wirkt der hintere Teil nun schlanker aber nicht unbedingt harmonischer. Dafür besitzt der Astra nun ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Wer mehr Wert auf Praktikabilität legt, muss bis Anfang 2016 auf die Markteinführung des Kombis warten. Der elegante Sports Tourer feierte, genau wie die fünftürige Fließheckvariante, diesen September auf der IAA in Frankfurt Weltpremiere.

Astra_03_Heck

Von außen wirkt der neue Fünftürer dynamischer und deutlich schlanker als sein Vorgänger. Und das ist er auch! Unter dem schönen Blechkleid hat sich ebenfalls was getan. Die neue Plattform, auf der das neue Modell basiert, ist um bis zu 200 Kilogramm leichter. Eine kompakte Bauweise und der Einsatz von ultrafesten Leichtbaustählen ergeben ein Fahrzeuggewicht von 1.278 Kilogramm. Der gute cw-Wert von 0,285 in der bei der Basisversion trägt ebenso zu einem niedrigeren Kraftstoffverbrauch bei. Opel gibt für den Astra mit dem von uns getesteten 1.4 Turbomotor mit 150 PS einen kombinierten Durchschnittsverbrauch von 5,1 Litern auf 100 Kilometern an. Laut Bordcomputer lag unser Verbrauch 1 Literüber den Werksangaben. Immer noch ein sehr vorbildlicher Wert, zumal wir zeitweise auch recht flott unterwegs waren.

Astra_12_Tacho

Apropos flott. Die 150 PS stehen dem Astra wirklich gut. Die Beschleunigungswerte und Durchzugskraft stimmen. Die 230 Newtonmeter Drehmoment liegen bereits ab 2.000 Umdrehungen an. Das macht Spaß! Die Dämpferabstimmung bei dieser Motorkonfiguration ist komfortorientiert. Auf den schlechten Straßen in der Slowakei bügelte das Fahrwerk die teilweise sehr großen Schlaglöcher gekonnt weg und machte die Fahrt angenehm.

Astra_09_AGR

Für viel Wohlbefinden sorgen aber auch die sehr bequemen und langstreckentauglichen AGR-Sitze. AGR steht für Aktion Gesunder Rücken und ist ein Gütesiegel, welches dieser Sitz Trägt. Bei den vielfältigen Verstellmöglichkeiten findet man schnell eine passende Sitzposition. Die Lendenwirbelstütze lässt sich elektropneumatisch in Höhe und Länge einstellen, zudem kann man Oberschenkelauflage ausziehen. Dank Memory-Funktion lassen sich die Einstellungen auch abspeichern. Praktisch, vor allem wenn mehrere Fahrer das Auto nutzen. Per Knopfdruck lassen sich die Sitzwangen elektronisch auf anpassen, so dass schmale als auch kräftigere Fahrer stets über guten Seitenhalt verfügen. Neben einer Sitzheizung, die es übrigens auch für die Passagiere auf den hinteren äußeren Plätzen gibt, lassen die die Vordersitze auch belüften und sorgen so für optimales Sitzklima. Beides lässt sich vorne in drei Stufen regulieren. Noch mehr Luxus gefällig? Was man sonst nur in der Oberklasse findet, gibt es nun auch für den Fahrer des neuen Astra: eine Massagefunktion! Zugegeben, es ist nicht mit einer Wellnessbehandlung im Thailändischen Massagesalon zu vergleichen, doch es war dennoch so angenehm, dass ich während der mehrstündigen Testfahrt fast durchgehend diesen Service des Rüsselsheimers in Anspruch genommen habe.

Astra_11_Sitzheizung-hinten

Auch in der hinteren Reihe geht es bequem zu. Die äußeren Sitze sind leicht ausgeformt. Wie schon erwähnt, lässt sich hier auch eine Sitzheizung ordern. Auch größere Menschen fühlen sich hier wohl. Auch an dieser Stelle merkt man, dass die Entwicklungsingenieure ganze Arbeit geleistet haben. Denn trotz, dass die Außenlänge der Karosserie um 50 Millimeter geschrumpft ist, wuchs das Platzangebot in der zweiten Sitzreihe um 35 Millimeter.

Astra_18

Nun muss ich ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Ich war einst selbst Fahrer eines Astra J –also dem Vorgängermodell. Lange habe ich es nicht mit diesem Auto ausgehalten. Der 1.4 ecoFLEX-Motor ohne Turbo hat mir nicht sonderlich viel Fahrfreude bereitet und auch mit dem häufig kritisierten Innenraum kam ich nicht wirklich gut zurecht. Dabei haben es die Opel-Entwickler gerade dort gut gemeint. Jede Taste hatte eine Funktion und somit gab es keine verzweigten Menüs. Doch viele Funktionen brachten dementsprechend viele Tasten mit sich. Die Mittelkonsole glich einer Excel-Tabelle. Der Wille war da aber die Idee nicht mehr Zeitgemäß. Genau wie das pixelige Monochrome-Display im Tacho. Freude kam da keine auf, genau so wenig wie das Gefühl in einem innovativen Auto zu sitzen. Doch all das hat man sich zu Herzen genommen.

Astra_05_Armaturenbrett

Die Tastenflut in der Mittelkonsole ist Geschichte. Stattdessen ein aufgeräumtes Armaturenbrett, reduziert auf das wichtigste. Im unteren Bereich der Mittelkonsole lassen sich Klimaeinstellungen vornehmen. Sehr chic gelöst: Die beiden Drehregler der Klimaautomatik zeigen die eingestellte Temperatur für Fahrer und Beifahrer an. Einzig der klobige Schaltknauf des manuellen 6-Gang-Getriebes mag nicht so recht zum schlanken Interieur passen. Der etwas zu große und nicht sonderlich handliche Knauf würde sich eher als Automatik-Wahlhebel eignen, den man nicht so häufig in die Finger bekommt.

Astra_06_Mittelkonsole

Im oberen Bereich findet man einen Drehregler für die Lautstärkenregelung des Radios und ein paar Menütasten. Darüber das optionale 8 Zoll große Touchdisplay, mit dem sich Fahrzeugeinstellungen einfach vornehmen oder beispielsweise auch das Smartphone bedienen lassen! Apple- und Android-Geräte lassen sich einfach über die das IntelliLink-System in das Fahrzeug einbinden. Neben der Freisprechfunktion kann dank Apple Carplay und Android Auto unter anderem auch die Navigationsfunktion des mobilen Geräts auf das Display geholt oder die Lieblingsmusik abgespielt werden. Auch der Musik-Streaming-Dienst Spotify wird unterstützt.

Astra_08_Apple-Carplay

Mit OnStar bietet Opel noch ein weiteres Komfort-und Sicherheits-Feature. Ein eigener WLAN-Hotspot mit LTE-Anbindung sorgt für schnelles Internet und das für bis zu sieben mobile Geräte. Desweiteren hat man die Möglichkeit sich mit einem Knopfdruck mit einem persönlichen Service-Assistenten verbinden zu lassen, der einem beispielsweise bei der Navigation unterstützt oder im Notfall hilft. Das alles funktioniert sogar Europaweit. Mit einer eigenen Smartphone-App kann man unterwegs verschiedene Fahrzeuginformationen abrufen oder Einstellungen vornehmen. Wie genau der Online- und Service-Dienst funktioniert, erklären wir in diesem Beitrag.

Astra_10_OnStar

Für einen Einstiegspreis von 17.260 Euro ist der neue Astra ab sofort bestellbar. Die Preise für den von uns getesteten Benziner mit 150 PS beginnen bei 22.560 Euro. Darüber hinaus bietet Opel einen Benziner mit 125 PS und einen besonders sparsamen Dreizylinder mit 105 PS an. Im kommenden Jahr folgt eine sportliche Version mit 200 PS. Im Rahmen der Fahrveranstaltung konnten wir exklusiv bereits vor Markteinführung dieses Modell fahren. Den passenden Bericht findet ihr hier. Die Diesel-Motor starten die Preise bei 20.260 Euro. Der 1.6 CDTI wird drei Leistungsstufen mit 95, 110 und 136 PS angeboten.

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Fazit:

Opel ist ein großer Wurf gelungen. Mit der effizienten Motorenpalette ist man in der Höhe der Zeit angekommen. Der neue Astra darf sich zu Recht und voller Stolz zu seinen erfolgreichen Geschwistern, Adam und Corsa einreihen. Denn so gut gelungen wie die beiden Kleinwagen ist der Kompakte auch. Besonderheiten wie die vorbildliche Konnektivität, die innovativen IntelliLUX LED-Matrix-Scheinwerfer oder die bequemen Ergonomie-Sitze mit Massagefunktion machen den Astra zu einem äußerst attraktiven Fahrzeug im Umfeld der Kompaktklasse. Meine Sympathiepunkte hat er jedenfalls.

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