OnStar: neuer Online- und Service-Assistent von Opel

Mit OnStar möchte Opel ab Herbst einen weiteren Schritt in Sachen Fahrzeugvernetzung bestreiten und verspricht mehr Sicherheit und Komfort. Was kann der neue Online- und Service-Assistent und wie funktioniert es? Wir haben uns auf dem Weg in die OnStar Service-Zentrale nach Luton begeben uns es ausprobiert.

Was man sonst nur von Autos in der Premiumklasse erwartet, möchte Opel allen Fahrern seiner Fahrzeuge ermöglichen und integriert den Online- und Service-Assistenten OnStar in die gesamte Fahrzeugpalette. Zahlreiche Funktionen wie ein automatischer Notrufservice und ein persönlicher Service-Assistent sollen für mehr Sicherheit und Komfort sorgen – ganz egal ob im Karl, Corsa oder Insignia. Momentan befindet sich OnStar in Europa noch im Testbetrieb und geht offiziell erst ab August an den Start. Wir durften uns vorab selbst überzeugen und ein paar Funktionen während einer Fahrt von London nach Luton ausprobieren.

OnStar 2

Testobjekt war ein Opel Insignia, der sich auf den ersten Blick nicht von anderen Insignia-Modellen unterscheidet. Erst bei genauerer Betrachtung fallen uns die drei kleinen OnStar-Bedientasten im Dachhimmel auf, die sich oberhalb der Leseleuchten befinden und vom Fahrersitz gut erreichbar sind. Nach Betätigung der mittleren Taste wird man automatisch mit der Service-Zentrale verbunden, rechts gibt es für den Notfall eine SOS- und links einen Privat-Taste – doch dazu später mehr. Nach dieser kurzen Einweisung geht’s auch schon los! Bevor wir nun mühsam die fremde Adresse ins Navigationssystem eingeben, wollen wir schauen wie bequem ein persönlicher Service-Assistent sein kann und drücken die mittlere OnStar-Taste. Sofort meldet sich eine freundliche Stimme und fragt was sie für uns tun kann. Wir nennen unsere Zieladresse in Luton und einen kurzen Moment später landet diese auf unserem Navigationsdisplay. Auch bei Routenänderungen, der Suche nach bestimmten Zielen wie etwa einem Restaurant oder die nächstgelegene Tankstelle – der persönliche Berater hätte uns auch bei diesen Anliegen weitergeholfen. Es ging zwar nicht unbedingt schneller als die manuelle Eingabe ins Navigationsgerät aber es war weitaus komfortabler und sicherer. Beim dichten Großstadtverkehr waren wir nicht abgelenkt und konnten die Augen auf der Straße lassen. Hinzu kommt der Linksverkehr, der uns auf den ersten Kilometern etwas mehr an Konzentration abverlangte. Doch wie schnell darf man denn hier in Großbritannien überhaupt fahren? Nicht nur, dass auf der anderen Straßenseite gefahren wird, für das Tempo gilt hier Meilen pro Stunde. Unser Joker meldete sich nachdem wir erneut die OnStar-Taste betätigten und wusste auch für dieses Anliegen eine Lösung. So fuhren wir ruhigen Gewissens mit den erlaubten 70 Meilen, was 120 km/h entspricht, weiter auf der Autobahn in Richtung Norden.

OnStar 7

Der Verkehr lichtete sich und weitere Funktionen warteten darauf ausprobiert zu werden. Diesmal war mein Beifahrer an der Reihe. Frederick vom Apple-Blog appgefahren war besonders neugierig auf die Internetanbindung. Mit dem verbauten 4G/LTE-WLAN Hotspot verspricht Opel eine schnelle und stabile Verbindung von bis zu sieben mobilen Endgeräten. So kann jeder im Auto Europaweit ohne zusätzliche Roaming-Gebühren im Internet surfen. Zeit also online zu gehen: E-Mails abrufen und schauen ob das Internet auch so zügig voran geht wie die 170 Pferdestärken unseres Testwagens. Frederick ist beeindruckt: bei einer Stichprobenmessung ermittelte er einen Wert von 10 mbps. Videostreaming ist kein Problem und das sogar während der Fahrt! Ein echter Mehrwert gerade für die Mitreisenden und ganz besonders auf längeren Fahrten.

OnStar 3

Wir sind nun angekommen in Luton. Hier im Hauptsitz der GM-Tochter Vauxhall ist auch die Europa-Zentrale von OnStar. An 365 Tagen im Jahr sorgt ein Team von 120 OnStar-Beratern für einen reibungslosen Ablauf und das rund um die Uhr in acht Sprachen. Ein wichtiger Punkt, denn hier kommen sämtliche Anrufe aus ganz Europa zusammen. Die speziell geschulten Mitarbeiter können auch in stressigen Momenten Notfälle schnell koordinieren.

Löst im Falle eines Unfalls der Airbag aus, stellt das Fahrzeug selbstständig eine Verbindung zur Leitstelle her. Ein Service-Mitarbeiter meldet sich umgehend beim Fahrer um sicherzustellen ob und welche Hilfe (wie beispielsweise Krankenwagen oder Abschleppdienst) benötigt wird. Kann etwa der Fahrer aufgrund der Schwere des Unfalls nicht antworten, werden die jeweils zuständigen Rettungsleitstellen informiert und diese mit Hilfe der übermittelten GPS-Koordinaten zielgerichtet zum Fahrzeugstandort geleitet. OnStar verfügt über ein umfangreiches Netzwerk zu allen europäischen Rettungsdiensten um so schnell an der richtigen Stelle Hilfe anzufordern.

OnStar 5

Wie nützlich diese automatische Unfallhilfe sein kann, wurde uns in einem Gespräch mit einem Callcenter-Mitarbeiter aus den USA deutlich, der seine europäischen Kollegen schult und auch uns von seinen zahlreichen Erfahrungen berichtet. In einem Fall war ein Fahrzeug auf einer abgelegenen Landstraße in einen Graben gefahren. Die durch OnStar informierten Rettungskräfte konnten allerdings vor Ort kein Fahrzeug auffinden. Der nicht mehr ansprechbare Fahrer konnte auch nicht auf sich aufmerksam machen. Allerdings hörte der zugeschaltete OnStar-Mitarbeiter, der den Rettungseinsatz koordinierte, das hin- und herfahrende Rettungsfahrzeug. Durch Fernsteuerung der Hupe und Scheinwerfer konnte er den Rettungskräften direkt zum Unfallfahrzeug lotsen, so dass der verletzte Fahrer schnell geborgen werden konnte.

Neben einer Pannenhilfe gibt es zudem auch Diebstahl-Notfallservice, bei dem OnStar den aktuellen Standort des entwendeten Fahrzeugs an die Polizei übermittelt. Ferner kann die Service-Zentrale die Geschwindigkeit drosseln und per Fernaktivierung der Wegfahrsperre den Neustart des Fahrzeugs verhindern, so dass der Polizei eine schnellere Sicherstellung ermöglich wird.

OnStar 6

Ebenfalls eine praktische Funktion ist die Fahrzeugdiagnose. Leuchtet im Cockpit eine Warnlampe auf, kann der Fahrer OnStar kontaktieren. Per Ferndiagnose kann der Service-Mitarbeiter feststellen wie schwerwiegend das Problem ist und ob umgehend eine Werkstatt aufgesucht werden sollte. Die Mitarbeiter können darüber Hinaus auch einzenel Fragen zu Fahrzeugfunktionen beantworten. Das umständliche Nachschlagen im Bordbuch kann man sich also gerne sparen. Einzelne Fahrzeugdaten wie beispielsweise Reifendruck oder Ölrestlebensdauer kann jeder Fahrzeugbesitzer über die myOpel-App von seinem Android-Smartphone oder Apple iPhone abrufen. Vergessen wo man im Großstadtdschungel geparkt hat? Kein Problem: mit der myOpel-App lässt sich auch das Fahrzeug orten und Fahrzeugfunktionen wie Hupe, Licht oder Zentralverriegelung fernsteuern, so dass man schnell zu seinem Auto findet. Fahrzeugeinstellungen und Zieleingaben für das Navigationssystem lassen sich ebenfalls bequem von unterwegs vornehmen.

Da Datenschutz in Europa einen besonders hohen Stellenwert hat, überlässt Opel seinen Nutzern die volle Kontrolle über Ihre Daten. Personenbezogene Daten werden laut Opel nicht an andere Anbieter weitergegeben. Im Gegensatz zum Amerikanischen System verfügt das Europäische OnStar über einen sogenannten „Privacy-Button“, womit der Nutzer den aktuellen Aufenthaltsort gegenüber der Zentrale auf Wunsch verbergen lassen kann. Nach einer Airbag-Auslösung werden die Standortdaten allerdings automatisch übermittelt – hier geht die Sicherheit vor!

Wer Gefallen am Komfort eines persönlichen Service-Assistenten findet, viel Zeit im Auto verbringt und großen Wert auf schnelles Internet legt, ist OnStar zu empfehlen. Zudem bietet es einen hohen Sicherheitsmehrwert. OnStar ist für alle Opel-Modelle bestellbar (beim Karl ab Ende 2015) und kostet 490 Euro oder ist – in den höheren Ausstattungsvarianten – sogar serienmäßig verbaut. Die Nutzung der Service-und Sicherheits-Dienste sowie WLAN sind im ersten Jahr kostenfrei. Danach fallen jährlich 99 Euro an. Die Internetflatrate kann dann optional dazu gebucht werden. Die Preise hierfür stehen momentan noch nicht fest.

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Fotos: Opel, Charlie Magee

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