Der Jaguar XKR im Fahrbericht

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Nach Jahren eines gewissen Miss-Managements besinnt sich Jaguar mittlerweile wieder auf Werte, die die Marke einst so stark gemacht hatten: britische Eleganz, fahrdynamische Kompetenz und die Nähe zum Rennsport. Dieses neue, alte Selbstverständnis mündet in einem Selbstbewusstsein, das sich jetzt im Rahmen des Oldtimer Grandprix am Nürburgring quasi verdichtet erleben ließ: mit einer riesigen Hospitality, auf der sich die geladenen Gäste von Star-Koch Johann Lafer exklusiv bekochen ließen, einem eigenen Renneinsatz und der Ausstellung des gesamten, inzwischen wieder sehr attraktiven Produktportfolios zwischen Diesel-Limousine und 550 PS-Supersportwagen sorgten die Briten für einen echten Big Bang. Wir verzichteten auf die Künste eines Johann Lafer und genossen ein Menü nach unserem ganz eigenen Gusto. Zutaten: 5,0-Liter V8-Motor mit Direkteinspritzung, Kompressor-Aufladung und saftigen 510 PS. Das alles serviert im Jaguar XKR-Cabrio.

Während uns die herkömmlichen Jaguar-Modelle trotz angenehm-dezenten Designs doch etwas zu bodenständig erscheinen (wir zählen uns schließlich großzügig nach wie vor zur Halbstarken-Generation, die ab und an gerne mal die Sau rauslässt), ist der XK mit dem Zusatz „R“ da schon von ganz anderem Kaliber. Der Reiz liegt wie so oft im Detail. Martialische Lufteinlässe in der Motorhaube, versehen mit dem Schriftzug „Supercharged“, verheißen für ambitionierte Straßenverkehr-Mitteilnehmer auf den Landstraßen rund um den Nürburgring nichts Gutes. 510 PS knallt der Jaguar XKR dank Kompressor-unterstütztem 5-Liter V8 aus den Auspuffrohren. Im Rückspiegel kündigt sich der Hecktriebler mit seinem Haifischmaul schnellen Rittes an und verabschiedet sich wenige Sekunden später mit einem Sound, der die Nackenhaare gefrieren lässt. Richtig Eis muss sich später aus dem Hemdkragen schütteln, wer auf Straßen unterwegs war, die mit vielen engen Kurven gespickt sind: beim Herunterschalten vom dritten in den vierten Gang etwa sorgt der V8 im XKR mit Zwischengasstößen und entsprechendem Auspuff-Brabbeln für debil grinsende Cockpit-Insassen – und mürrisch dreinschauende Passanten am Straßenrand.

Fahrbericht-Jaguar-XKR

Ausgestattet mit einem ausreichend dimensionierten Drehmoment von 625 Nm katapultiert der sahnige V8 das XKR Cabrio in 4,8 Sekunden von null auf hundert. Nur wenige Sekunden später sind zumindest auf Landstraßen strafrechtlich relevante 200 km/h erreicht. Bei 250 Sachen regelt der Jaguar XKR ab. Echte Speedheads können jedoch das Speed-Pack ordern, mit dem der XKR erst bei 280 km/h den Sack zumacht.

Seine 1.800 Kilogramm Leergewicht merkt man dem XKR bei beherzter Fahrt kaum an: er lässt sich präzise in Kurven werfen und ermöglicht in schnellen Kurven relativ hohe Geschwindigkeiten. Die Gasannahme erfolgt superdirekt, zum Teil allerdings zu unmittelbar: Ungeübte mutieren schnell zu Kopfnickern.

Verantwortlich für seine gute Fahrdynamik ist unter anderem eine steife und leichte Monocoque-Konstruktion aus Alu und eine im Vergleich zum gewöhnlichen XK zusätzliche Strebe zwischen den hinteren Stoßdämpferdomen. Zudem verfügt der XKR über ein aktives Hinterachs-Differential: über eine Mehrscheibenkupplung gelangt die Antriebskraft stets zu dem Rad mit der höheren Traktion ohne übermäßigen Schlupf mit einem Bremseingriff zu quittieren. Einen tatsächlich übermäßigen Bremseingriff besorgt allerdings immer wieder das viel zu früh und rigide regelnde ESP, das selbst vergleichbar harmlose Fahrmanöver harsch einbremst. Draufgänger dürften sich entsprechend schnell ans beherzte acht (8!) Sekunden erfordernde Deaktivieren des ESP mittels Knopfdrücken gewöhnen (müssen).

Fahrbericht-Jaguar-XKR-Cockpit

Im Cockpit brilliert der Jaguar XKR mit edlen Materialien (und kleinen Schönheitsfehlern, die allerdings nur dem auffallen, der hinter Ecken und Kanten danach sucht!) und hochwertiger Verarbeitung. Im Vergleich zum gewöhnlichen XK sind alle Funktionen und Designelemente noch stärker auf die Bedürfnisse einer dynamischer orientierten Klientel zugeschnitten. Dazu zählen unter anderem die mehr Seitenhalt bietenden Performance-Sitze mit Karbon-Stoff-Leder.

Abends lud einmal mehr Johann Lafer zu gediegenen Abendessen. Unsere Plätze blieben leer – wir gönnten uns einen etwas anderen Abend-Snack…

 

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