Audi-Super Bowl-Kampagne "Green Police" – ein PR-Desaster?

Green PoliceJedes Jahr im Februar schauen nicht nur Sportinteressierte auf das Mega-Ereignis “Super Bowl”, das Finale der Football-Liga NFL. Auch für die Werbebranche ist das Event einer der wichtigsten Termine des Jahres. Die Industrie produziert größtenteils Kampagnen einzig und allein für die (zahlreichen) Super Bowl-Werbepausen.

Seit mehreren Jahren darf sich Audi zum illustren Kreis der Super Bowl-Werber zählen (“The Chase” 2009, “Der Pate“, 2008). Und auch in diesem Jahr sind die Ingolstädter – genauer: die Kollegen Audi of America – mit einer eigens für den Super Bowl kreiierten Kampagne am Start. Eine Kampagne, die allerdings bereits jetzt, einige Tage vor dem Super Bowl (8. bis 9. März), für einigen Unmut in den USA sorgt. Im Mittelpunkt der nicht gänzlich ernst gemeinten Social Media-Kampagne, inklusive eigenem Twitter- und Youtube-Kanal, steht die fiktive Polizei-Einheit “Green Police”, die es sich – “unterstützt von Audi” – offenbar zur Aufgabe gemacht hat, unsere Umwelt vor der Zerstörung zu retten.

Einige Amerikaner allerdings stören sich am optischen Auftritt der Audi-Polizisten und vor allem an ihrer Bezeichnung als “Green Police”, die sie unmittelbar mit der berüchtigten “Ordnungspolizei”, der sogenannten “grünen Polizei” der Nazi-Zeit in Verbindung bringen. Die Ordnungspolizei war in den 30er und 40er Jahren maßgeblich an der Verschleppung von Juden und anderen Verfolgten in Vernichtungslager beteiligt (mehr Infos bei Wikipedia).

Während das Herstellen einer unmittelbaren Verbindung  zur Nazi-Zeit durchaus als sehr subjektiv bis weit hergeholt gelten dürfte, so sorgt die Kampagne aktuell für kontroverse Diskussionen und insgesamt einen schalen Beigeschmack. Ob Audi ein echter Imageschaden bevor steht, darf zum heutigen Stand zwar bezweifelt werden, eine direkte Verbindung zum Holocaust, dem wahrscheinlich schrecklichsten Verbrechen der Menschheit, wird Audi jedoch kaum gebrauchen können.

Der US-Unternehmensberater Danny Brown äußerte sich auf seinem Blog zur Green Police-Kampagne als einer der ersten sehr kritisch, sein Beitrag wurde bisher 340 Mal auf Twitter verlinkt, die rund 170 Kommentare zeigen sich geteilter Meinung, viele User halten den Vergleich für durchaus übertrieben. Laut dem Blog-Analyse-Tool “Blogpulse” wurde Brown´s Beitrag bislnag von lediglich insgesamt acht weiteren Blogs aufgenommen. Auch das Google-Trend-Tool “Insights for Search” verzeichnet keinen nennenswerten Ausschlag für den Begriff Audi, der ein Indikator für einen drohenden PR-Gau darstellen könnte.

Wenn verstärkt jedoch renommierte Publikationen wie Dailyfinance.com auf das Thema aufspringen sollten, könnte Audi ein heißes Super Bowl-Finale ins Haus stehen…

Update 08.02.2010: das hier ist der Spot, der gestern während des Super-Bowl-Finales ausgestrahlt wurde. An dieser Stelle möchten wir doch alle Kritiker bitten, die Audi geradezu eine Verherrlichung des Überwachungsstaates vorwerfen, den Begriff “Ironie” nachzuschlagen. Danke.

Kommentare

  1. Timo meint:

    Achtung Troll-Alarm ….

  2. AuThor meint:

    Nicht unterschätzen welche Saiten abseits der 3. Reich Erinnerung angeschlagen wurden – in den USA ist man weiter, was das Verständis der Co²-Abzocke und des Climategate Skandales und dem Fälschen von Klimadaten zur Erhöhung der Abgaben angeht!

    Die US-Bürger legen großen Wert auf die die Unverletzlichkeit der Wohnung und des Grundstückes und dem Bürgerrecht ohne Ausweis leben zu dürfen etc.

    So ein Spot ist derzeit Sprengstoff in den USA, weil sich viele Gruppen beginnen gegen Überwachungsstaat und immerwährenden TerrorWahn zu wehren und erkennen, das der Staat und die Rüstungsindustrie von soetwas profitieren, wenn dann ein deutscher Automacher der mit Nazi-Zwangsarbeit in Verbindung zu bringen ist sowas zur Werbung macht, ist der Imageschaden vorprogrammiert!

  3. Th. Koch meint:

    Die Aufforderung, den Begriff “Ironie” nachzuschlagen, ist ebenso arrogant wie dämlich – der Spot ist eine vollständig ironiebefreite Hommage an den Polizeistaat.

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