Fahrbericht: Audis sportlicher Diesel im Audi RS5 TDI Concept

Der Dieselmotor muss sportlicher werden! Diese Losung hatte sich offenbar Audi auf die Fahnen geschrieben und ein Team an fähigen Ingenieuren ins Rennen um die Dynamisierung der TDI-Technologie geschickt. Bereits 2012 meldeten die Entwickler erstmals Vollzug und stellten ihr neues Konzept vor. Im Audi RS5 TDI Concept ist das weiter optimierte neue System jetzt erfahrbar.

Audi RS 5 TDI concept

Doch was ist eigentlich das Problem aktueller Dieselmotoren? Zwar liefern leistungsstarke Turbodiesel größtenteils regelrechte Berge maximalen Drehmoments, aber der Weg dahin ist oftmals langatmig. Schließlich ziehen moderne Dieselmotoren ihre Kraft aus dem Abgas, das der Motor abgibt. Befindet sich der Motor im niedrigen Drehzahlbereich, werden geringe Mengen Abgas ausgestoßen. Entsprechend gering ist der Ladedruck, den der Abgasturbolader aufbauen kann – und entsprechend gering die abgegebene Leistung. Diesem landläufig als „Turboloch“ bezeichneten Phänomen begegnet die Audi AG nun mit einem elektrischen Biturbosystem in Gestalt des 3.0 TDI Biturbo. Um mir selbst ein Bild von der (R)Evolution des TDI-Motors zu machen, reiste ich nach Schweden zum kleinen aber feinen Sturup Raceway.

Audi RS 5 TDI concept

Soundmodul sorgt für grimmigeren Sound

Mehr als ein Marketinggag dürfte die Verpackung des innovativen Dreiliter-Aggregats sein: der Audi RS5 TDI Concept sieht schick aus und sollte mit seiner fortschrittlichen Dieseltechnik beste Marktchancen haben. Mit Ausnahme des Motors vertraut der Prototyp auf bekannte RS5-Technik. Die Klangkulisse wirkt bereits bei Standgas etwas präsenter als bei herkömmlichen Dieselmotoren und wird bei Vollgas angenehm laut – zumindest für Diesel-Verhältnisse. Das ist aber leider kaum der Kernkompetenz des V6-Diesel geschuldet, als vielmehr dem aktuell angesagten, künstlichen Soundengineering, das die Ingolstädter so gut beherrschen.

Audi RS 5 TDI concept

Neues Konzept sorgt für schnellen Ladedruckaufbau

385 PS (283 kW) leistet das 3-Liter-Aggregat, sein maximales Drehmoment von 750 Nm liegt bei 1.250 bis 2.000 Umdrehungen an. Bei Audis neuem Konzept wird das Turbinenrad von einer E-Maschine und einem Verdichter ersetzt. Bei sehr niedrigen Drehzahlen und entsprechend geringer Abgasenergie am Turbolader schließt die Bypass-Klappe, wodurch die Luft in den elektrischen Verdichter geleitet wird. Die E-Maschine beschleunigt das Verdichterrad innerhalb weniger Hundertstelsekunden auf über 70.000 Umdrehungen pro Minute. Die Folge ist ein schneller Ladedruckaufbau und somit ein höheres Drehmoment schon bei geringen Drehzahlen.

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Träge war gestern

Auf der Rennstrecke ist dieser Pluspunkt eindrucksvoll erfahrbar. Etwa indem man dem Audi RS5 TDI Concept einen Spielkameraden in Form des 560 PS starken Audi RS6 Avant zur Seite stellt. Beim Ampelsprint ist der Diesel-Renner tatsächlich schneller als der V8-Dampfhammer! Erst nach rund 40 Metern kann der RS6 seinen Leistungsvorsprung ausspielen. Auch aus engen Ecken und bei niedrigen Drehzahlen, lässt sich der RS5 TDI Concept schön herausbeschleunigen. Im Alltag könnten sportiv gesinnte Zeitgenossen also niedertourig fahren, ohne auf einen ordentlichen Punch bereits aus dem Drehzahlkeller heraus verzichten zu müssen.

Rekuperation liefert Energie

Die Antriebsenergie für den e-Lader wird hauptsächlich durch Rekuperation gewonnen. Für die Übertragung dieser Energiemengen nutzt der Audi RS5 TDI Concept ein separates 48-Volt-Teilbordnetz, das über einen DC/DC-Wandler mit dem 12-Volt-Netz gekoppelt ist. Als Energiespeicher dient eine kompakt bauende Lithium-Ionen-Batterie.

Insgesamt ist den Audi-Entwicklern eine vermeintlich triviale Innovation gelungen, die das Dieselfahren aber eine Ecke sportlicher macht. Und über einen Audi RS5 TDI würden wir uns auch nicht beklagen…

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