Für Kind und Kegel: Der neue Toyota Proace Verso im Fahrbericht

Der neue Toyota Proace steht in den Startlöchern. Mit zahlreichen Variationen tritt die Proace-Baureihe gegen den Platzhirsch Volkswagen T6 an. Ob Kind und Kegel oder Sack und Pack – mit drei unterschiedlichen Längen sowie verschiedenen Ausstattungen möchte Toyota die unterschiedlichsten Bedürfnisse bedienen. Hat der neue Toyota das Zeug zum Familientransporter? Wir sind den Toyota Proace Verso – den Kleinbus in der Pkw-Variante – gefahren.

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Wer kennt das nicht: Hobby und Familie verlangen oft nach viel Platz. Ein großer Kombi kommt so bei dem ein oder anderen an seine Grenzen. Wenn die wichtigen Sachen nicht mehr ins Auto passen und die Vorbereitungen zur nächsten Urlaubsfahrt einem Tetris-Spiel gleicht und alles drehen und wenden nicht weiterhilft, würde manch einer sich einen Kleinbus wünschen. Wie praktisch wäre es nur das Mountainbike ohne es hohen Montageaufwand einfach einzuladen, bequem die Kinder in ihren Kindersitzen festzuschnallen oder einfach mal ohne großen bedenken im Möbelgeschäft die tolle Kommode mitzunehmen? Das alles dürfte mit dem neuen Toyota Proace Verso klappen. Verso steht hierbei für die Pkw-Variante. Und mehr Pkw geht hier wirklich nicht.

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Abmessungen

Bei den Abmessungen ist Toyota nämlich ans Maximum gegangen. Sämtliche Dimensionen innen als auch außen wurden ausgenutzt. So war dann auch die erste Begegnung mit dem Toyota Proace überraschend: Wow, ganz schön groß! Privat nutze ich hauptsächlich Mittelklassemodelle und auch bei meinen Autotests schaut dies ähnlich aus. Da ist das hier schon eine ganz andere Kategorie. Für die Alltägliche Nutzung braucht man keinerlei größerer Einschränkungen befürchten. Der normale Pkw-Führerschein Klasse B genügt. Beim Blick auf die technischen Daten unter dem Kapitel „Außenabmessungen“ liegt der Kleinbus nicht unweit von denen eines großen Kombis – zumindest was die Länge angeht. Mit einer Gesamtlänge von knapp unter 5 Metern passt die Medium-Version, die wir gefahren sind, in die üblichen Parkboxen. Selbst die Höhe von unter 2 Metern bereitet keine Probleme und ermöglicht dem Proace das Befahren von Parkhäusern und sogar Tiefgaragen. Hier haben die Entwickler das höchst mögliche ausgenutzt um einen möglichst großen Innenraum zu erreichen.

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Übrigens, vor dem einparken braucht man keine Angst zu haben. Aufgrund der Bauform lassen sich die Abmessungen gut einschätzen. Vorbildlich sind dabei die großen Fensterflächen und die großzügig dimensionierten Rückspiegel. Dennoch ist die optionale Rückfahrkamera empfehlenswert. Abstände lassen sich so besser einschätzen. Besonders die Führungslinien, die den Lenkeinschlag anzeigen, helfen beim Rangieren und machen das Einparken zum Kindespiel.

rueckfahrkamera

Innenraum

dsc_3563Also rein in die gute Stube! Wer hinter dem Lenkrad Platz nehmen darf, freut sich über eine beste Übersicht. Gerade im Stadtverkehr sind die hohe Sitzposition und die großen Fensterflächen ideal. Fahrer und Beifahrer sitzen auf bequemen Einzelsitzen. Hier lässt es sich auch auf längeren Fahrten gut aushalten. Nach hinten gelangt man über zwei große Schiebetüren, die sich elektrisch öffnen und schließen lassen. Schalter dafür gibt es an der Tür selbst aber auch der Fahrer kann die Schiebetüren über einen Schalter an der Mittelkonsole steuern. Die beiden Sitzbänke sind im Verhältnis 60:40 geteilt und verfügen über je drei Sitzplätze, die allesamt mit einem Isofix-System zur Befestigung von Kindersitzen ausgestattet sind. Die Sitze sind ausreichend breit und dürften genügend Platz bieten, um auch drei Kindersitze oder Babyschalen nebeneinander zu montieren. Zudem lässt sich die Neigung der Rückenlehen verstellen. Durch ein Schienensystem lassen sich die Sitzbänke einfach verschieben und ermöglichen so einen besonders variablen Innenraum. Besonders Sinnvoll ist auch der zusätzliche Rückspiegel, der sich oberhalb den normalen Rückspiegels befindet und mit dem man die Kinder auf den Rückbänken im Auge behalten kann.

armaturenbrett

Auch wenn der Proace Verso seine Wurzeln im Nutzfahrzeugbereich hat, geht es im Inneren keinesfalls nüchtern rustikal zu. Zwar findet man hier keine weichen aufgeschäumten Kunststoffe wie in einem Mittelklasse-Kombi, dafür sind die Oberflächen äußerst pflegeleicht und trotzdem ansehnlich. Das Layout im Interieur sowie die verwendeten Materialien sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Dafür sorgt auch die Geräuschkulisse. Denn trotz des hohen Aufbaus und der Nutzfahrzeugbasis geht es innen angenehm ruhig zu. Dazu trägt unter anderem eine Akustikverglasung zu.

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In den vorderen Türen finden sich breite Ablagen, die es sogar mit größeren Dingen aufnehmen. Zwischen Klimabedienteil und Schaltung findet sich ein schmales Fach. Auf dem Armaturenbrett ist zwar ein größeres Fach, dieses jedoch ist weniger gut erreichbar bzw. schlecht einsehbar. Flaschen können  Fahrer und Beifahrer in eine Ausbuchtung außen auf dem Armaturenbrett deponieren. Zwischen den Sitzen gibt es zwar kein Staufach, dafür ist aber ausreichend Platz um für lange Reisen eine Kühlbox abzustellen oder aber um bequem in die zweite Sitzreihe zu schlüpfen.

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Komfort und Luxus

Ein paar Komfort-Features sind mittlerweile in sämtlichen Fahrzeugklassen verfügbar. Eine Klimaautomatik oder eine Sitzheizung sind bei kleinen als auch in großen Fahrzeugen zumindest optional verfügbar. Auch beim Toyota Proace gibt es diese Extras. Doch es gibt auch Dinge, die ich bei dem Auto nicht erwartet hätte. In der höchsten Ausstattungslinie „Executive“ gibt doch tatsächlich Massagesitze! Das Wellnessprogramm steht Fahrer- und Beifahrer zur Verfügung und lässt sich über drei Menütasten ansteuern. Auf den hinteren Sitzreihen sorgt ein großflächiges Panorama-Glasdach für Wohlführatmosphäre.

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Entertainment und Konnektivität

Für die Musikauswahl und Navigation steht ein neues Multimediasystem zur Wahl, welches Toyota optional anbietet. Dieses lässt sich ganz bequem und intuitiv über ein 7 Zoll großes Touchdisplay ansteuern. Ein wirklich sinnvolles Extra. Das Navigationssystem arbeitet gut und die Richtungsanzeige wird zusätzlich auf dem großen Head-Up-Display dargestellt. Eine großartige Eingewöhnung bedarf es nicht, denn die Menüstruktur selbst ist unkompliziert und einfach aufgebaut. Neben einem USB-Anschluss bietet das System auch die Möglichkeit Inhalte vom Smartphone über MirrorLink ins Auto zu bringen. Bedient wird das Audiosystem entweder direkt über das Touchdisplay  oder über Bedientasten am Lenkrad.

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Sicherheit und Assistenzsysteme

Besonders wichtig für ein Familienwagen ist das Thema Sicherheit. Hier zeigt sich der große Toyota besonders vorbildlich und erreicht beim Euro NCAP Crashtest 5 Sterne! Ebenfalls vorbildlich sind die zahlreichen Assistenzsysteme, die erhältlich sind. Damit es nicht zu kritischen Situationen kommt, unterstützen eine große Auswahl an Assistenzsystemen den Fahrer und sorgen zudem für entspanntes Fahren. Für einen Aufpreis von 1.200 Euro gibt es mit Toyota Safety Sense ein umfangreiches Sicherheitspaket, welches unter anderem Systeme sowie wie Kollisions-Warner, Notbrems-, Totwinkel-, Spurhalte- und Fernlicht-Assistent zusammenfasst. Auf unserer Testfahrt zeigte sich die Verkehrszeichenerkennung, die ebenfalls zum Paketbestandteil zählt, als besonders praktisches Assistenz-Extra. Schilder mit Tempolimits wurden zuverlässig erkannt und neben dem Tacho auch im farbigen Head-Up-Display dargestellt. Ebenfalls besonders komfortabel war der adaptive Tempomat (ACC). Wie bei einem normalen Tempomaten lässt sich die Wunschgeschwindigkeit einstellen. Nähert man sich einem Fahrzeug, wird dieses erkannt. Der adaptive Tempomat hält einen konstanten Abstand. Dieser lässt sich zudem nach Belieben mehrstufig einstellen. Einzig die Bedienung des Tempomaten bedarf etwas Gewöhnung. Die Bedieneinheit befindet sich hinter dem Lenkrad und lässt sich nur blind bedienen.

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Antrieb und Fahrwerk

Die Motorenpalette des Toyota Proace umfasst ausschließlich Dieselmotoren, die vom PSA-Konzern stammen. Sie reichen von 95 PS bis 177 PS. Unser Testwagen leistete 116 PS und macht einen durchweg vernünftigen Eindruck. Der laufruhige 1.6 Diesel war damit keinesfalls untermotorisiert und mit einem Testverbrauch von unter 7 Litern Diesel auf 100 Kilometern auch effizient. Der kombinierte Normverbrauch soll bei 5,2 Litern liegen. Das maximale Drehmoment von 300 Newtonmetern liegt bereits ab einer Drehzahl von 1.750 Umdrehungen an. Leistungswerte eines Sportwagens erwartet wahrlich keiner von einem Kleinbus aber man schwimmt gut im Verkehr mit. Und falls nötig, hält der Motor auch noch Reserven für Überholmanöver auf der Landstraße bereit.

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Das Getriebe hat uns besonders angenehm überrascht. Der Gangwahlhebel des manuellen 5-Gang-Getriebes ist angenehm positioniert und liegt gut in der Hand. Die Schaltwege sind zudem angenehm kurz und die Gangführung präzise. Ein Automatikgetriebe ist vorerst nur der leistungsstärksten Variante, dem 2.0 D mit 177 PS, vorbehalten. Die Lenkung ist sehr leichtgängig und  komfortabel ausgelegt. Genau wie das Fahrwerk. Durch den langen Radstand schluckt das Fahrwerk Bodenunebenheiten gut weg. Der lange Radstand sorgt außerdem für die guten Platzverhältnisse im Innenraum.

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Preise und Ausstattungen

Marktstart des neuen Toyota Proace ist im September 2016. Das Modell wurde gemeinsam mit dem PSA-Konzern entwickelt und wird in Frankeich gebaut. Die Preise für den Toyota Proace Verso in der einfachen Shuttle-Variante mit kurzem Radstand (compact) und einer Außenlänge von 4,60 Meter starten in Deutschland bei 35.300 Euro. Die von uns getestete Familiy-Version in der mittellangen Ausführung (L1) mit einer Außenlänge von 4,90 Meter beginnt bei 37.900 Euro. Oberhalb davon gibt es die Luxus-Ausführung „Executive“, die mindestens 50.500 Euro kostet. Die Preise der baugleichen Modelle von Peugeot und Citroën sind ausstattungsbereinigt identisch.

Wer anstelle von „Kind und Kegel“ lieber „Sack und Pack“ transportieren möchte, findet im neben der Pkw- auch eine Kastenwagen-Ausführung. Die Kollegen von mein-auto-blog haben sich mit diesem Modell beschäftigt. Hier beginnen die Preise ab 20.900 Euro (ohne MwSt).

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Fazit

Vor diesem großen Auto braucht niemand Angst haben. Der neue Toyota Proace ist nicht nur ein Kleinbus, sondern ein komfortabler und sicherer Familienwagen mit jeder Menge Platz! Trotz seiner Größe ist der Toyota Proace Verso sehr übersichtlich. Der Innenraum der Großraumlimousine bietet ein üppiges Platzangebot und gute Variabilität. Es gibt jede Menge pfiffige Details. Hier haben die Entwickler mitgedacht. Die Verarbeitung ist ordentlich, genauso wie der Antrieb. Hier hat sich die Kooperation mit Peugeot und Citroën gelohnt. Toyota punktet allerdings durch eine längere Garantieabdeckung, die beim Proace 3 Jahre beträgt. Peugeot und Citroën bieten ihren Kunden lediglich nur 2 Jahre. Wer vom Familien-Kombi auf den Kleinbus von Toyota upgraden möchte, muss nicht zwangsweise auf Komfort-Features verzichten. Das gilt ebenso für das umfangreiche Angebot an Assistenzsystemen.

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Kommentare

  1. Meiner Meinung nach ist der Toyota Proace Verso eine sehr interessante Alternative zu den Platzhirschen VW-Bus und Mercedes-V-Klasse. Persönlich gefällt mit sein Image jedoch nicht. Das Toyota-Safety-Sense-System finde ich allerdings eine tolle Option.

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