Elektrisch fahren dank Förderprämie? Nissan Leaf im Fahrbericht

Mit der kürzlich von Bundesregierung bewilligten Kaufprämie sollen Anreize geschaffen werden sich ein Elektroauto zu kaufen. Eines davon könnte der Nissan Leaf sein – das weltweit meistverkauften Elektroauto. Was kann der kompakte Japaner und für wen lohnt sich ein Kauf? Wir haben uns den Leaf in der mittleren Ausstattungslinie ACENTA für eine elektrische Ausfahrt geschnappt und schreiben warum man damit auch mal bei Aldi vorbei fahren sollte. Fahrbericht.

Leaf_aussen-vorne2

Nun ja, ein waschechter Japaner ist der Leaf nicht, zumindest die Modelle, die auf unsere europäischen Straßen kommen. Seit 2013 werden diese nämlich im Britischen Sunderland produziert. Ebenso wie die Batterien, die Nissan selber herstellt. Darüber hinaus gibt es zwei weitere Produktionsstandorte in den USA und natürlich in Japan. Technisch gesehen sind die Fahrzeuge aus den drei Werken weitestgehend gleich. Bei dem seit 2010 erhältlichen Nissan Leaf hat sich mittlerweile einiges getan. Die letzte Modellpflege liegt erst ein paar Monate zurück. Durch die neue Batterietechnik mit einer höheren Energiedichte konnte die Baugröße reduziert werden, was mehr Platz im Innenraum bringt und gleichzeitig die Reichweite erhöht werden.

Kofferraum

Bereits in der mittleren Ausstattungslinie TEKNA ist der Nissan Leaf bereits gut ausgestattet. Genau dieses Modell haben wir uns genauer angeschaut und sind es gefahren. Unser Testwagen hat eine Außenlackierung in Schwarz Metallic – eine von acht unterschiedlichen Farben. Innen gibt es nicht ganz so viele Individualisierungsmöglichkeiten. Man hat die Wahl zwischen einer hellen oder dunklen Verlourpolsterung. Die Sitze sind vergleichsweise weich gepolstert, bieten jedoch einen guten Seitenhalt und sind bequem. Leder in schwarz gibt es in der Top-Version ACENTA.

Sitze-vorne1

Einmal Platz genommen, fällt sofort auf, dass der Leaf sich nicht sonderlich von einem konventionellen Auto unterscheidet. Ein Unterschied wäre, dass es keinen klassischen Tacho mit analogen Ziffernblättern gibt. Stattdessen leuchten digitale Instrumente auf. Der Tacho beim Leaf ist gesplittet. Ein Teil Hinter dem Lenkrad zeigt unter anderem den Energieverbrauch, und die Restreichweite an. Ein schmaler Anzeigenstreifen über dem Lenkrad zeigt die Geschwindigkeit an. Was im ersten Moment vielleicht etwas ungewohnt erscheint, ist durchaus praktisch, da durch diese Position der Blick vom Fahrer nicht sehr von der Fahrbahn schweifen muss und sehr zentral im Blickfeld liegt. Die Bedienung ist nicht sonderlich Kompliziert und bedarf wenig Eingewöhnung.

Lenkrad

Konnektivität und Entertainment

Ab ACENTA verfügt das  Infotainmentsystem bereits über vielfältige Funktionen, die sich über ein 7 Zoll großes Touchdisplay auf dem Armaturenbrett bedienen lassen. Die Routenführung sowie die Kartendarstellung des Navigationssystems sind gut. Auf der Karte kann man sich den Umkreis anzeigen lassen, den man mit aktuellem Ladestand der Batterien erreichen kann. Ebenso kann man sich die nächstgelegenen Ladestationen anzeigen und sich dorthin navigieren lassen. Per Bluetooth lässt sich das eigne Smartphone koppeln. Neben einer Freisprechfunktion lassen sich auch Musikdateien im MP3-Format wiedergeben. Selbiges funktioniert auch per USB oder AUX-In. Die Anschlüsse hierfür befinden sich unter zwei Abdeckklappen in der Mittelkonsole, die zugegeben etwas fummelig sind. Musik gibt es aber auch über DAB – ebenfalls Serie. Sehr Praktisch ist die Rückfahrkamera. Im Bild werden zusätzlich Führungslinien und der Lenkwinkeleinschlag angezeigt, was das Einparken erleichtert und sicher macht.

Zusätzlich können beim Leaf sogenannte Connected Services genutzt werden. Über eine eigene App lassen sich so bestimmte Funktionen über das eigene Smartphone steuern. Beispielsweise können Reiserouten von zu Hause geplant und ganz bequem an das Navigationssystem ins Auto geschickt werden. Ebenso können Heizung und Klimaanlage gesteuert werden, so dass man vor Fahrtantritt in ein optimal temperiertes Fahrzeug einsteugen kann. Eine besonders sinnvolle Funktion wie ich finde. Denn befindet sich das Fahrzeug nämlich gerade an der Ladestation, kann die Temperatur angepasst werden, ohne dass dies die Rechweite beeinflusst.

Touchscreen-Navi2

USB-Anschluss

Antrieb und Fahrwerk

Obwohl die die Zahlen der Motorleistung nicht unbedingt hoch erscheinen (80 kW/109 PS), macht der Leaf dennoch viel Spaß und das nicht zu knapp. Dafür sorgt das hohe Drehmoment von 254 Newtonmetern, das bereits direkt beim losfahren anliegt. Kein Turboloch keine Anfahrschwäche – das Fahrgefühl in einem Elektroauto ist da wirklich sehr besonders. Wer schon mal das Vergnügen hatte die auszuprobieren, wird wissen was ich meine. Alle anderen sei ans Herz gelegt sich selbst hinter das Lenkrad des Leaf zu setzen. Gerade in der Stadt sind die flotten Sprints, die sich wie an einem Gummiband gezogen fühlen, ein Garant für Spaß.

Motor

Neben den tollen Beschleunigungswerten punktet der Leaf auch mit einem guten Fahrverhalten. Durch die tiefen und zentral verbauten Batterien liegt der Schwerpunkt sehr tief, was Fahrdynamisch besonders vorteilhaft ist und höhere Kurvengeschwindigkeiten erlaubt und für Stabilität sorgt. Ein Sportwagen ist der Leaf aber nicht. Das Fahrwerk hat eine komfortable Abstimmung.

Reichweite

Je nach Variante kommt man mit einer vollen Batterieladung zwischen 199 und 250 Kilometern weit. Inwieweit sich dieser Wert nach NEFZ in die Realität übertragen lässt, hängt von vielen Faktoren ab. Hohes Tempo und der Einsatz von Verbrauchern wie die Klimaanlage oder der Sitzheizung schmälern die Reichweite zusätzlich. Aber auch die Außentemperaturen spielen dabei eine Rolle. Winterliche Temperaturen haben ebenfalls einen negativen Einfluss auch die Reichweite. Um dies so gering wie möglich zu halten, setzt Nissan anstelle von konventionellen Heizungen auf den Einsatz einer Wärmepumpe.

Wer effizient fahren will, ist schnell am Drücker. Eine Eco-Taste ist griffgünstig am Multifunktionslenkrad platziert. Wird der Eco-Modus aktiviert, wird die Motorleistung gedrosselt. Wer noch mehr Energie sparen möchte bzw. seine Reichweite erhöhen möchte, wählt über den Fahrstufenmodus auf der Mittelkonsole die Fahrstufe „B“. Die Rekuperation, ist nun spürbar größer. Geht man also vom Gas-Pedal wechselt das Fahrzeug in den Generatorbetrieb und Energie wird in die die Batterien eingespeist. Diese Kraft im Schubbetrieb ist so groß, dass man in diesem Fahrmodus kaum mehr bremsen muss, da das Fahrzeug von selbst stark verzögert.

Ladeanschluss

Lademöglichkeiten

Wegen der noch nicht gut ausgebauten Ladeinfrastruktur ist es wichtig sich vor dem Kauf darüber Gedanken zu machen. Ob zu Hause oder am Arbeitsplatz – eine zuverlässige Möglichkeit sein Elektrofahrzeug laden zu können sollte gegeben sein.  Für den gibt es mehrere Möglichkeiten die Akkus aufzuladen. Was immer geht ist die Haushaltssteckdose. Für eine komplette Ladung ist der Zeitaufwand mit bis zu 13 Stunden recht hoch. In fast der Hälfte der Zeit schafft man es mit einer Wallbox, die man zu Hause installieren lassen kann. Ob dies geht, sollte man vorher von einem Elektroinstallateur abklären lassen.

Ebenso kann man aber auch öffentliche Ladesäulen nutzen. Für diese Fälle liegt im Leaf ein zweites Ladekabel mit Typ2-Stecker bei, der auch besser bekannt als Mennekes-Stecker ist. Sparfüchse aufgepasst: Der Discounter Aldi bietet an vielen seiner Märkte die Möglichkeit zum kostenlosen Laden. Mit den Ladesäulen lässt sich der Leaf innerhalb kürzester Zeit laden. Die Zeit kann man ganz praktisch mit Einkäufen überbrücken. Kostenlose Lademöglichkeiten – teilweise auch mit Schnelllade-Säulen – stellen auch Nissan-Händlern zur Verfügung. Während der Öffnungszeiten können hier auch Markenfremde Elektroautos laden.

Batterien und Garantie

Die Garantie auf die von Nissan selbst entwickelten Batterien beträgt 8 Jahre oder 160.000 Kilometer. Die Garantie greift auch wenn die maximale Aufnahmekapazität der Batterien unter 75 Prozent fällt. Insgesamt befinden sich 48 Lithium-Ionen-Module im Unterboden. Eines dieser Module ist auf folgendem Bild zu sehen. Es hat in etwa die Größe eines Notebooks, ist allerdings etwas schwerer.

Batterie-Modul

Anschaffungskosten und Ausstattungen

Für den Nissan Leaf gibt es zwei Preismodelle, die davon abhängig sind ob man die Batterie für den LEAF mietet oder kauft. Im günstigsten Fall starten die Preise bereits ab 23.365 Euro. Bezieht man nun die aktuelle Förderung der Bundesregierung mit ein, kann man bereits ab 17.465 Euro elektronisch durchstarten. Beim Kauf eines Elektroautos von Nissan werden aktuell 5.000 Euro rückerstattet. Die Kaufprämie von 4.000 Euro stockt Nissan mit zusätzlichen 1.000 Euro auf. Neben dem Kaufpreis kommen dann aber noch monatliche Gebühren für die Batterie hinzu. Diese sind abhängig von der Fahrleistung und der Mietdauer (12 bis 36 Monate) gestaffelt und liegen zwischen 79 Euro und 142 Euro pro Monat. Wer lieber die Batterie kaufen möchte, zahlt insgesamt 5.900 Euro mehr. Nach Abzug der Förderprämie entspricht das einem Kaufpreis von mindestens 23.365 Euro.

Neben der Basisausstattung VISIA stehen für den Leaf noch zwei weitere Ausstattungslinien zur Wahl. Unser Testwagen hat die mittlere Ausstattungslinie ACENTA und fährt mit einer üppigen Ausstattung vor. Mit an Bord sind unter anderem 16 Zoll große Leichtmetallräder, Tempomat, Licht- und Regensensor sowie eine Rückfahrkamera. Außerdem gibt es ein paar Luxus-Features, die man nicht unbedingt von einem Elektroauto erwartet. Das Winterpaket (Serie in der Top-Version TEKNA) für moderate 330 Euro beinhaltet neben beheizbaren Außenspiegeln eine Lenkradheizung sowie eine zweistufig regelbare Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer. Sogar die äußeren Sitzplätze auf der Rückbank lassen sich beheizen, was in dieser Fahrzeugklasse keinesfalls selbstverständlich ist. In der 2.400 Euro teureren Top-Version TEKNA gibt es zusätzlich unter anderem Leder-Polsterung, LED-Scheinwerfer, BOSE-Soundsystem und größere Leichtmetallräder in 17 Zoll.

Sitzheizung-hinten

Unterhaltskosten

Da es keine Verschleißteile wie Auspuff gibt oder ein Motorölwechsel anfällt, fallen die Servicekosten niedriger aus. Teile wie die Bremsen werden beim Elektroauto zudem weniger beansprucht, da das Fahrzeug die Bremsenergie zur Rückgewinnung nutzt. So sollen bei einer Jahresfahrleistung von 10.000 Kilometern die jährlichen Werkstattkosten laut Nissan bei nur 127 Euro liegen. Wer die meisten seiner Fahrten im Stadtverkehr absolviert, kann mit dem Leaf im Prinzip nichts falsch machen.

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Fazit

In Anbetracht der aktuellen Förderprämie ist gerade ein guter Zeitpunkt über die Anschaffung eines Elektroautos nachzudenken. Der Nissan Leaf hat in unserem Test einen soliden Eindruck hinterlassen. Der hohe Anteil an zufriedenen Kunden bestätigt dies. So sind 89 Prozent der Besitzer zufrieden mit ihrem Leaf. Die Weiterempfehlungsrate liegt sogar bei 96 Prozent. Den Umstieg von einem Auto mit konventionellem Antrieb zum voll elektrischen Leaf ist keinesfalls schwer. Im Gegenteil. Mit der gestiegenen Reichweite ist der Leaf alltagstaugliches Auto und eignet sich für viele, ihre Fahrten im Stadtverkehr absolvieren. Dort macht er vor allem durch seine Agilität eine Menge Spaß. Neben dem guten Fahrverhalten punktet der Leaf vor allem durch seine gute Ausstattung und den geringen Betriebskosten.

Weitere Meinungen

Jens Stratmann von rad-ab.com ist ebenfalls das aktuelle Modell des Nissan Leaf gefahren. Seine Meinung dazu findet ihr in folgendem Video-Review:

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Sitze-vorne2

Sonnenblende-Stauraum

Touchscreen-Multimedia

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Leaf_aussen-seite

instagram

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