Der neue Audi A3 Sportback e-tron im Fahrbericht

Audi A3 e-tron 007Es entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie, den neuen Audi A3 e-tron in einer alten Elektromotoren-Fabrik vorzustellen. Während ganze Industriebranchen seit rund 150 Jahren auf den Elektromotor als Hauptantriebsmittel setzen, hat es die Automobilindustrie bislang mit eher durchschnittlichem Erfolg geschafft, den E-Motor als zentralen Antrieb zu etablieren. Während Audi verschmitzt betont, das gastgebende E-Motoren-Werk in der österreichischen Hauptstadt Wien bitte nicht als Symbol fehlzuinterpretieren, lässt das den nagelneuen Audi A3 Sportback e-tron im Foyer völlig kalt. Dabei hat sich Audi wirklich Mühe gemacht, den vermeintlichen technoid-kühlen Hybriden ordentlich herauszuputzen: den Fünftürer schmücken Front- und Heckspoiler in sportlicher, leicht abgewandelter S-Line Optik, er selbst erstrahlt in knalligem signalrot – vermutlich eine Kampfansage an seine Herausforder der Verbrenner-Generation.

Audi A3 e-tron 011

Bevor wir uns von zu vielen vermeintlichen Symbolen (und Farben) blenden lassen, wollen wir dem neuen Audi A3 e-tron dann doch unvoreingenommen begegnen. Im Cockpit erst einmal Ernüchterung. Gar nicht mal im negativen Sinne: im Innern unterscheidet den e-tron kaum etwas von seinen gewöhnlichen A3-Brüdern. Ein leicht abgewandelter Tacho und eine verräterische „EV-Taste“. Dann eine Peinlichkeit: der Druck auf den Start-Knopf startet den A3 e-tron nicht etwa, sondern würgt ihn kurzerhand ab.

„Wie? Der Motor war schon an?“

– Yep, der Start erfolgt im Audi A3 e-tron nämlich fast immer geradezu unmerklich da elektrisch, außer bei großer Kälte, extremer Hitze oder sehr niedrigem Ladezustand der Batterie. Moderner Klassiker: im reinen E-Betrieb ist auch der A3 e-tron so leise, dass man ihn wirklich nicht wahrnimmt. Na gut, dann halt nochmal.

Beinahe geräuschlos also rollen wir vom Parkplatz runter. An der wenig später wartenden Ampel haben wir dann endlich die Möglichkeit, den Elektromotor im Ampelsprint zu erleben. Das ist zwar kaum in Sinne der Erfinder, macht aber trotzdem Spaß: im Elektromodus beschleunigt der Kompakte von null auf 60 km/h in immerhin 4,9 Sekunden. Mit dem 1.580 Kilogramm-Auto hat das 75 kW starke und 34 Kilogramm leichte Elektromotörchen mit einem bärigen maximalen Drehmoment von 330 Nm fast schon „leichtes“ Spiel. Die Systemleistung liegt bei 204 PS, wenn sich der 110 kW (150 PS) starke 1.4 TFSI ins Spiel einschaltet. Wer es dann eilig hat, kann den kompakten Hybridler in immerhin 7,6 Sekunden von null auf hundert Sachen beschleunigen – und den A3 e-tron dann selbst bei Landstraßentempo wieder im EV-Modus rein elektrisch fahren. Erst bei 130 km/h endet der rein elektrische Betrieb.

Das Hybridmanagement bietet dem Fahrer unterschiedliche Funktionen: Das Kennfeld „EV“ räumt dem elektrischen Antrieb Priorität ein, die „charge“-Stellung dient dazu, die Batterie beim Fahren möglichst schnell aufzuladen. Im Modus „hybrid hold“ wird die Energie in der Batterie für später gespeichert, etwa für eine Stadtfahrt am Zielort oder – in der Stellung S der S tronic – für einen Boostvorgang. In der Position „auto“ wird die elektrische Energie im Zusammenspiel mit dem Verbrennungsmotor optimal genutzt und ein minimaler Kraftstoffverbrauch auch auf längeren Fahrstrecken erreicht.

Audi A3 e-tron 010

Wird das Gaspedal voll durchgetreten, aktiviert sich der Hybrid-Modus und der Verbrenner schaltet sich zu. Wenn der Fahrer das sportliche Programm S gewählt hat, arbeiten beide Motoren schon früher zusammen. Wenn das Fahrpedal entlastet wird, gewinnt das System im Programm S durch Schubrekuperation Energie zurück, während im Programm D das Hybridsystem beide Antriebe abschaltet und so in den Segel-Modus wechselt. Jetzt wird die kinetische Energie genutzt, um durch Rollen eine maximale Weite zu erzielen, die Motorschleppverluste werden minimiert.

Für das elektrische Fahren sind neben der E-Maschine, der Batterie (Gesamtgewicht: 125 Kilogramm), der Leistungselektronik und dem Ladegerät weitere spezielle Bauteile an Bord des A3. Der Kompressor der Klimaanlage nutzt einen elektrischen Antrieb, der in das Hochvolt-Netz integriert ist, ein thermo-elektrisches Heizelement und eine mit Benzin betriebene Standheizung (Option) ergänzen die Klimatisierung des Innenraums. Ein elektrisch betriebener Bremskraftverstärker unterstützt im A3 Sportback e-tron das Bremsen. Die Rekuperation der Bremsenergie wird in allen Situationen über den Generator ermöglicht. Dazu stimmt das Bremsenmanagement hydraulisches und elektrisches Bremsen präzise aufeinander ab.

Die E-Maschine ist im Audi A3 e-tron hinter dem Zweimassenschwungrad des Motors platziert und schließt eine Trennkupplung ein. Die Einheit E-Maschine/Trennkupplung ist dabei in eine neu konzipierte Sechsgang S tronic integriert, die die Kräfte auf die Vorderräder des Audi A3 Sportback e-tron leitet. Wenn der Verbrennungsmotor startet, wird er vom Elektromotor über die Kupplung angeschleppt; sobald er die gleiche Drehzahl erreicht hat wie die E-Maschine, schließt die Kupplung. Das Doppelkupplungsgetriebe ist im Dreiwellen-Layout konzipiert – seine beiden Teilgetriebe werden von zwei Lamellenkupplungen bedient, die unmittelbar hinter der Trennkupplung liegen. Der Gangwechsel erfolgt durch das Wechseln der Kupplungen; er dauert nur einige Hundertstelsekunden und vollzieht sich ohne spürbare Zugkraftunterbrechung.

Audi A3 e-tron 003

Soviel zur Theorie unter dem Blechkleid. Wir wollen den Audi A3 e-tron jetzt aber wieder in der Praxis erleben, schalten auf EV und wollen mal sehen, wie weit man in der Wiener Innenstadt mitten im Feierabendverkehr kommt. Die füssigkeitsgekühlte Lithium-Ionen-Batterie ist mit einer Kapazität von 8,8 kWh laut Audi ausreichend für eine elektrische Reichweite von bis zu 50 km. Wir quetschen uns durch Blechlawinen vorbei an Prater und Ernst Happel-Stadion und kommen 100%-ig elektrisch immerhin etwas mehr als 20 Kilometer weit. Angesichts des Hardcore-Programms kein so schlechter Wert und, seien wir doch mal ehrlich, durchaus praxistauglich. Zumindest für Pendler, die eine entspechende Steckdose ihr Eigen nennen. Schließlich dauert der Ladevorgang an einer Industriesteckdose rund 2 Stunden und 15 Minuten, an einer normalen Steckdose 3 Stunden und 45 Minuten. Da haben selbst Teilzeitkräfte genug Zeit, ihren Audi A3 e-tron während der Arbeitszeit wieder ordentlich aufzuladen.

Der Audi A3 Sportback e-tron startet in Deutschland zum Grundpreis von 37.900 Euro.

Trackbacks/ Pingbacks

  1. […] A3, vertrautem. Alles ist hochwertig verarbeitet und an seinem richtigen Fleck. Beim Automobil-Blog hatte man Anfangs Probleme beim starten da der Elektromotor im Vergleich zu einem Verbrenner um einiges leiser ist und so kommt es schon […]

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